Sprungziele

Inhalt

Kulturelles Erbe sammeln, in Beziehung setzen und zugänglich machen.

Die Bandbreite, Größenordnung und Qualität der Sammlung des Zentrums für Trachtengewand des Bezirks Oberbayern ist weltweit einzigartig. Während die meisten vergleichbaren Sammlungen vor allem Kleidung und Accessoires aus der Oberschicht in ihrem Bestand haben, stammen die Objekte des Zentrums für Trachtengewand aus der bürgerlichen und bäuerlichen Bevölkerung. Die strategisch-inhaltlichen Zielsetzungen für den Auf- und Ausbau des Bestandes wurden in den 1980er Jahren bis zur Gründung der Einrichtung im Jahr 2000 von den Erträgen der Feldforschungen Alexander Karl Wandingers, Leiter des Zentrums für Trachtengewand, bestimmt. Seine langjährige, passionierte Großzahlforschung brachte die Bedeutung und Vielfalt der sich ständig wandelnden historischen Kleidungskultur in Oberbayern ans Licht. Dieses kulturelle Erbe als »vestimentären Genpool« zu bewahren und öffentlich nutzbar zu machen, steht im Mittelpunkt der Sammlungsaktivitäten des Zentrums für Trachtengewand.

»Tracht ist Mode«

Ein wichtiges Ergebnis des Engagements in den Bereichen von Sammlung, Forschung und Handwerkskunst liegt in einer veränderten Wahrnehmung des gesellschaftlichen Stellenwerts von Tracht. Mit seinem Wahlspruch »Tracht ist Mode« initiierte das Zentrum für Trachtengewand einen wissenschaftlich fundierten Paradigmenwechsel, der zunächst vor allem in konservativen Kreisen vehement bestritten wurde, mittlerweile jedoch anerkannt und durchgesetzt ist.

Die Verbindung der Kategorien Tracht und Mode bedeutet für die Sammlungstätigkeit, dass eine Auswahl der Exponate schwer einzugrenzen ist. Ein Grund dafür ist, dass sich die Idee bzw. das Konstrukt »Tracht« im Zuge der romantischen Entdeckung des Landlebens und der Gründung des bayerischen Staatsgebildes um 1800 herausbildete und heute als Sammelbegriff für historische Nationalkostüme wie für vieldiskutierte Partykleidung auf dem Münchner Oktoberfest dient.

Die Bandbreite der Sammlung des Zentrums für Trachtengewand reicht also tatsächlich von der bäuerlichen Joppe um 1830, die jeder als absolut trachtentypisch bezeichnen muss, über das weiße Kommunionkleid der 1950er Jahre bis zur Landhausmode um 1985. Aus diesem vielfältigen, lebendigen Bezugsfeld entsteht immer wieder Neues und Aufregendes, wenn auch nicht immer Qualitätsvolles.

Der Bestand des Zentrums für Trachtengewand gliedert sich in fünf Hauptbestandteile:

Kleidung- und Accessoires-Sammlung aus drei
Jahrhunderten

  • rund 20.000 Objekte

Präsenzbibliothek

  • rund 3.000 Werke
  • Kulturgeschichte, Brauchtum
  • Mode/Kostümkunde
  • Monographien
  • Bände zur Tracht aus verschiedenen Ländern
  • Verbandswesen
  • Textilkunde
  • Accessoires
  • Paramentik (liturgische Kleidung)
  • Handwerk/Handwerkstechniken

Graphik aus vier Jahrhunderten

  • rund 500 Blätter
  • Kupferstiche
  • Lithographien
  • Stahlstiche
  • Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen

Archivalia

Musterbücher, Dokumente, Manuskripte

Photographie

rund 40.000 Abbildungen, vorwiegend aus der Feldforschung


Originalstücke als Schenkung, Leihgabe oder zum Ankauf

Seit der Institutionalisierung der Trachtenberatung finden immer mehr Menschen zu uns, die Originalstücke als Schenkung, Leihgabe oder zum Ankauf einbringen, sodass die Sammlung des Zentrums für Trachtengewand stetig expandiert. 

Ein sich weiter entwickelndes kulturelles Erbe sammlungsweise einzuschränken ist per se nicht möglich. Unser Grundsatz lautet: Wir müssen nicht alles haben. Aber was hierher gehört, findet auch den Weg zu uns. In der Rubrik »Kabinettstück« stellen wir jeden Monat ein besonderes Stück unserer Sammlung vor.

Detail eines Gürtels, genannt "Fatsche", den ein Granatapfelmotiv aus Federkielstickerei ziert. Die Archivalie stammt aus Rottal, um 1810.
Gürtel (Fatsche)
Leder, Federkiel, Granatapfelmotiv
Rottal, um 1810
Sammlung Bezirk Oberbayern, Zentrum für Trachtengewand
nach oben